Veranstalter:
Website Messe Berlin
Datum der Veranstaltung:
4.-6. FEB 2026
FRUIT LOGISTICA
4.-6. FEB 2026
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Mehr Resilienz durch mehr Biodiversität

Biodiversität ist ein wichtiger Faktor für eine widerstandsfähige Wertschöpfungskette. Dafür müssen alle Akteur:innen zusammenarbeiten, zeigt ein Pilotprojekt der Bodensee-Stiftung.

Patrick Trötschler, Geschäftsführer der Bodensee-Stiftung, spricht auf der Future Lab Stage über „Insektenfreundliche Regionen“

Patrick Trötschler, Geschäftsführer der Bodensee-Stiftung, spricht auf der Future Lab Stage über das EU-LIFE-Projekt „Insektenfreundliche Regionen“ für mehr Biodiversität

Je mehr es summt, brummt, fliegt und flattert und blüht, desto besser für die Biodiversität. Doch bislang beschränkt sich Insektenschutz oft auf ein paar Blumenstreifen am Feldrand. „Wir brauchen mehr Lebensraum, mehr Nahrung und mehr Möglichkeiten zur Bestäubung für Insekten“, forderte Patrick Trötschler, Geschäftsführer der Bodensee-Stiftung, am Donnerstagvormittag bei seinem Vortrag „Mehr als nur Blumenstreifen – Wie man einen positiveren Einfluss auf Insekten und die Artenvielfalt erzielen kann“ auf der Future Lab Stage der FRUIT LOGISTICA 2026.

Trötschler präsentierte Ergebnisse aus dem EU-LIFE-Projekt „Insektenfreundliche Regionen“, an dem die Bodensee-Stiftung als private Umwelt- und Naturschutzorganisation, und weitere Partner beteiligt sind. Sieben Regionen wurden für das Projekt ausgewählt, darunter welche im Wendland, im Allgäu und im Südtiroler Vinschgau. In diesen Regionen nahmen mehr als 60 landwirtschaftliche Betriebe teil, für die jeweils spezielle Pläne erstellt wurden. Wichtig sei es dabei gewesen, die Maßnahmen zur Biodiversität in die bestehenden Produktionssysteme zu integrieren.

Vorreiter und Kooperation wichtig

Das könne dann zum Beispiel wild wuchernde Wege in Weinbergen bedeuten oder mehrere funktionale Blumenstreifen in Kartoffelfeldern, wo die Insekten dann helfen, das Angebaute gesund zu halten. Rund 2200 Hektar an insektenfreundlichem Gebiet entstanden so. „Wichtig war, in regionalen Arbeitsgruppen Fachleute aus Landwirtschaft, Försterei, aber auch von Kommunen zusammenzubringen und übergreifende Strategien auszuarbeiten“, erklärte Trötschler. Zudem waren Fortbildungen mit mehr als 1500 Teilnehmenden Teil des Projekts.

Mehrere Faktoren sind aus seiner Sicht entscheidend, damit es eben mehr als Blumensteifen werden: „Man braucht Vorreiter mit einer intrinsischen Motivation und hoher Kompetenz, die andere mitziehen“, erklärte der Projektexperte. Wichtig sei auch eine gute Koordination und Vermittlung, doch die koste Geld. „Man braucht private und öffentliche Gelder. Dabei sind das keine Spenden oder Subventionen, es ist ein Investment in unsere Umwelt.“

Flexiblere Förderprogramme

Ein Vorbild könnten da die Niederlande sein, wo es gemeinsame Strategien und Kooperationen der Landwirte einer Region für mehr Biodiversität gebe. Solche kooperativen, landschaftsbezogenen Förderprogramme sollte es dem Projektverantwortlichen zufolge EU-weit geben. Wichtig seien auch Anreize für die Landwirte, für die der Einsatz für mehr Biodiversität auch Risiken und Kosten bringen. „Förderungen müssen flexibler und öffentliche und private Gelder miteinander kombinierbar sein“, sagte Trötschler.

Gefragt sei aber auch die Lebensmittelindustrie, die eine große Verantwortung trage. „Biodiversität ist ein Wirtschaftsfaktor und der Schlüssel zu einer widerstandsfähigen Wertschöpfungskette.“ Die Branche müsse dem Experten zufolge Anreize schaffen für Maßnahmen zur Steigerung der Biodiversität, sowie gemeinsam einheitliche Standards erarbeiten. Das branchenweite Netzwerk „Food for Biodiversity“ sei da ein guter Anfang.

In der Projektregion Bliesgau im Saarland summt und brummt und fliegt es bereits erfolgreich. Dort wurden 33 Wildbienenarten erstmals entdeckt.

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