Grüne, gesunde Äpfel auch nach langer Lagerung
Ein Drittel der Südtiroler Apfelernte ist von Lagerschäden bedroht – dynamische CA-Lagerung und DCA-CF könnten Haltbarkeit und Qualität der Früchte entscheidend verbessern.
Einem Drittel der Apfelernte in Südtirol drohen Lagerschäden – effektives Nachernte-Management ist da unerlässlich, um die Qualität zu erhalten und die Haltbarkeit der Früchte zu verlängern. Wie das gelingen kann, darüber sprach Angelo Zanella vom Südtiroler Research Centre Laimburg in seinem Vortrag „Optimierung der Nacherntequalität durch dynamische Lagerung unter kontrollierter Atmosphäre“ auf Farming Forward Stage der FRUIT LOGISTICA 2026.
„Den Sauerstoffwert zu kontrollieren, ist unsere Hauptaufgabe. Denn ein niedriger Sauerstoffgehalt führt zu längerer und besserer Lagerfähigkeit“, erklärte der Forscher. Doch es gibt ein Minimum, das je nach Sorte nicht unterschritten werden darf. Während die traditionelle kontrollierte Atmosphärenlagerung auf statischen Gaszusammensetzungen basieren, plädiert Zanella für dynamische Ansätze, die auf die Physiologie von Obst zugeschnitten sind.

Forscher Angelo Zanella spricht auf der Farming Forward Stage über optimales Nachernte-Management durch neue DCA-Methoden. Copyright: Messe Berlin
Präzise Anpassung des Sauerstoffgehalts
Sogenannte Dynamic Controlled Atmosphere (DCA) Systeme regulieren aktiv die Lagerbedingungen, insbesondere den Sauerstoffgehalt, auf den niedrigsten tolerierten Schwellenwert. indem sie den aeroben Stoffwechsel hemmen und die Reifung verzögern. Unter diesen hat sich Zanella zufolge die auf Chlorophyllfluoreszenz basierende DCA-Methode durchgesetzt, kurz DCA-CF. Diese Technik nutzt Echtzeit-Biosensorik, um metabolischen Stress durch plötzliche Fluoreszenzveränderungen zu erkennen und ermöglicht so eine präzise Anpassung des Sauerstoffgehalts.
Zu den Vorteilen gehören eine rückstandsfreie Konservierung, eine Verringerung der enzymatischen Bräunung, die Bekämpfung von Lagerungsschäden und Krankheiten sowie eine verbesserte Erhaltung der Qualitätsmerkmale. „Das gilt jedoch nur während der Lagerung, wo der Sauerstoffwert niedrig gehalten werden kann. Und der Effekt ist bei jeder Sorte anders“, sagte der Forscher. „Herausforderungen sehen wir also dann, wenn unverkaufte Früchte weiter gelagert werden müssen, aber auch beim Transport zu weit entfernten Zielmärkten oder bei langen Verkaufsperioden unter schwierigen klimatischen Bedingungen.“
Kombination aus DCA-CF mit Reifungshormon
Hier habe sich die Kombination aus DCA-CF und dem synthetischen Pflanzenhormon 1-MCP bewährt, das die Reifung verlangsamt. Um das zu testen, simulierten Zanella und sein Team eine sehr lange Lagerung von sieben Monaten in DCA-CF unter Zugabe von 1-MCP, danach 40 Tage Transport nach Indien und dort 21 Tage im Supermarktregal, tagsüber bei 30 Grad, nachts im Kühlraum bei zehn Grad. „Die Qualität war ähnlich gut wie bei der Ernte“, so die Bilanz.
Allerdings, räumt der Experte ein, gebe es Einbußen beim Geschmack. Und jede Sorte reagiere sehr unterschiedlich. „Mein Vorschlag ist: Weiterforschen und Kombinationen aus verschiedenen Techniken an verschiedenen Produkten testen, um die optimale Lagermethode herauszufinden“, empfahl Zanella.