Veranstalter:
Website Messe Berlin
Datum der Veranstaltung:
3.-5. FEB 2027
FRUIT LOGISTICA
3.-5. FEB 2027
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Zweifache Ernte: Himbeeren und erneuerbare Energie

Der Energiebedarf steigt, Anbauflächen werden knapp. Belgische Forscher nehmen deshalb AgriPV-Systeme unter die Lupe: Welche Ernten, Kosten und Erträge können Landwirte erwarten?

Erdbeeren haben unter Solarmodulen kein gutes Leben – und diese Anbaukombination somit nach aktuellem Stand keine gute Zukunft. Das hat eine Studie der Universität Wageningen zu Obstanbau unterhalb von Photovoltaik-Anlagen ergeben. Bei Erdbeeren, die unter Solarpanels mit 25 bis 50 Prozent Lichtdurchlässigkeit wuchsen, sank der Ernteertrag erheblich – nämlich um 25 bis 30 Prozent.

Schutz vor Hitze und Verbrennungen

Ganz anders sah es bei Himbeeren aus: Unter Solaranlagen mit 40 Prozent Lichtdurchlässigkeit sank der Ernteertrag nur um fünf Prozent, die Qualität der Früchte blieb erhalten. Durch den Schutz der Panels sanken aber zugleich Verdunstungsrate und Wasserverbrauch, und die Beeren waren gegen Verbrennungen und Hitzepeaks geschützt.

Als Waldfrüchte müssten Erdbeeren, Himbeeren oder Heidelbeeren eigentlich gleichermaßen mit schattigen Bedingungen zurechtkommen, sagte Dr. Anne Cortleven, Biochemikerin und Koordinatorin im belgischen Forschungsinstitut pcfruit, im Future Lab der FRUIT LOGISTICA 2026. Offenbar reagierten Erdbeeren aber ausgesprochen sensibel auf Lichtreduzierung und eigneten sich aktuell nicht für Agri-PV-Projekte.

Angesichts der stark wachsenden Nachfrage nach erneuerbaren Energien einerseits und dem steigenden Wettbewerb um Landflächen andererseits will das Proefcentrum Fruitteelt VZW (pcfruit) systematisch untersuchen, inwieweit sich Agri-PV für Landwirt:innen lohnt – und zwar mit Heidelbeeren, Birnen und Himbeeren.

Eine Frau mit Brille und dunklem Haar steht am Redepult des Future Lab der FRUIT LOGISTICA 2026.

Dr. hab. Anne Cortleven erklärt die Versuchsanordnungen zu Himbeeren unter verschiedenen Solarmodulen. Die Tests starten in der Saison 2026. Copyright: Messe Berlin

Vier Arten von Solarmodulen im Test

Die komplexeste Anordnung haben die Wissenschaftler für Himbeeren installiert. Ab der Saison 2026 untersuchen sie auf insgesamt 600 Quadratmetern Fläche vier Varianten von Solaranlagen, unter denen die Früchte wachsen: unter Modulen mit 50 Prozent Durchlass von diffusem Licht, unter Modulen mit 40 beziehungsweise 50 Prozent Lichtdurchlässigkeit, und unter einer Kombination von 0 und 100 Prozent Lichtdurchlässigkeit – das heißt ein Anbaustreifen ist komplett von Solarmodulen verschattet, der andere komplett frei von Paneelen.

„Wir wollen damit die technische, wirtschaftliche und ökologische Machbarkeit untersuchen“, erklärte Cortleven. Am wichtigsten sei dabei immer noch der Ernteertrag – und die Frage: „Ist eine Agri-PV-Anlage eine gute Investition für den Landwirt oder die Landwirtin?“ Also: Unter welchen Bedingungen und mit welchem Modultyp lohnt sich die kombinierte Produktion? Dabei schauen die Forschenden auch auf das Mikroklima unter den Paneelen – und seine Auswirkungen auf Nützlinge, Pflanzenkrankheiten und Schädlingsbefall. „Wir hoffen, dass sich Pestizide unter den Paneelen reduzieren lassen“, so Cortleven.

Schon mal positiv: weniger Plastik

Auch mit positiven Effekten auf den Wasserverbrauch und dem Schutz vor Extremwetterlagen rechnen die Wissenschaftler. Ein Vorteil steht jetzt schon fest: Im Moment werden Himbeeren unter Regenschutzfolien angebaut, die alle fünf bis sieben Jahre ersetzt werden müssen, sagte Cortleven. Das sei eine enorme Menge an Plastik, die nicht mehr anfalle, wenn stattdessen Solarmodule eingesetzt werden. Und die halten mindestens zehn Jahre.

Autor*in: Marion Meyer-Radtke

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