FRUIT LOGISTICA
3.-5. FEB 2027
Zur Übersicht
Teilen:

„Vor 25 Jahren hatte keiner Blaubeeren zum Frühstück“

Was erzählen uns die vergangenen 25 Jahre über die Zukunft des globalen Kühltransportmarkts? Analyst Philip Gray über die Gründe für das große Wachstum der Branche und über Herausforderungen.

Ein Mann steht auf der Bühne. Es ist Philip Gray, der einen Vortrag hält.

Dr. Pascal Hunziker stellt seine Forschung zur CRISPR-Genschere an bislang vernachlässigten Nutzpflanzen wie Mashua vor.

Der Logistiksektor für Frischwaren hat in den vergangenen Jahren enorm zugelegt. Das bringt ganz neue Themen mit sich. „Wie geht es weiter mit dem globalen Kühltransportmarkt?“ lautete denn auch die zentrale Frage bei der ersten Session am Mittwochmorgen im Logistics Hub. Traditionell eröffnet der Blick auf die Schiffslogistik dort die FRUIT LOGISTICA 2026.

Philip Gray, Analyst für den Kühltransportmarkt bei Drewry, blickte zuerst zurück bis ins Jahr 2000, um dann nach vorn zu schauen. „Das vergangene Vierteljahrhundert kann uns helfen, die Zukunft zu verstehen und zu sehen, wo wir in den nächsten fünf bis zehn Jahren stehen“, erklärte er. Und es waren gute 25 Jahre für die Branche. Der Seetransport von Kühlgütern hat sich laut Gray im letzten Vierteljahrhundert mehr als verdoppelt. Er wuchs um 139 Prozent – von 60 Millionen Tonnen im Jahr 2000 zu 143 Millionen Tonnen 2025. „In fünf Jahren werden wir nahe an den 160 Millionen Tonnen sein“, prognostizierte der Experte.

Bei den Frischwaren dominieren Bananen das Geschäft, aber exotische Früchte sind laut Gray der Wachstumsstar: „Bananen sind um rund 69 Prozent gewachsen, Gemüse um 185 Prozent, aber bei den Exotischen Früchten lag das Wachstum bei sogar fast 500 Prozent in 25 Jahren.“ Diese regelrechte Explosion habe mehrere Gründe: staatliche Deregulierungen Ende der 90er-Jahre, etwa in Südafrika und später Neuseeland, und neue Lizenzierungen für Bananen in Europa, was regelrecht eine neue Ära einleitete.

Vorn dank neuester Technik

Entscheidend seien aber auch die Entwicklungen bei der kontrollierten Lageratmosphäre in den Containern. Anfang der 2000er sei das noch ein Thema für die Forschung gewesen und nicht für die Praxis. Doch als etwa die Maersk-Gruppe begonnen habe, die Technologie zu pushen, sei sie auch für die breite Anwendung zugänglich geworden. „Vor 25 Jahren gab es in normalen europäischen Supermärkten keine Avocado. Heute sind sie Standard. Damals hatte auch keiner Blaubeeren zum Frühstück – doch das änderte sich alles dank neuer, von der Logistikbranche bereitgestellter Technik“, erklärte Gray.

Auch was die Handelsrouten anbelangt, waren die Wachstumsraten dem Experten zufolge „unglaublich“, vor allem die Routen aus Südamerika nach Asien seien hier die größten Gewinner. Bei den zellularen Containerschiffen betrug die Compound Annual Growth Rate (Abkürzung: CAGR), also die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate, acht Prozent. Die Flotte der Kühlcontainer wuchs um 350 Prozent. Dabei wurden die Containerschiffe allgemein in den vergangenen 25 Jahren immer größer: 2000 lag die Durchschnittsgröße bei 1824 TEU, 2025 bei 4684 TEU.

Ein positiver Ausblick

Und wie geht es weiter? „Wir werden in den nächsten Jahren vielleicht nicht mehr solche hohen Wachstumsraten sehen“, sagte Philip Gray. Die Herausforderungen wie Zölle und politische Instabilitäten, Krankheiten bei bestimmten Früchten oder auch Häfen, die an Kapazitätsgrenzen kommen, seien vielfältig. Aber neue Technologien, Investitionen und staatliche Entscheidungen wie Deregulierungen prägen dem Experten zufolge auch die nächsten 25 Jahre. Und: „Wenn man all diese Wachstumszahlen betrachtet, scheinen wir auf jeden Fall in der richtigen Branche zu sein.“

Zur Übersicht
Teilen: