FRUIT LOGISTICA
3.-5. FEB 2027
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Retail Round Table 2026

Sechs strategische Impulse für die Zukunft des Fruchthandels

Auf der FRUIT LOGISTICA 2026 in Berlin kamen führende Einkäufer für Frischeprodukte aus einigen der bedeutendsten europäischen Einzelhandelsketten – darunter Tesco, ICA Gruppen, Rewe, Aldi Süd und Marks & Spencer – zum „Retail Round Table“ von Fruitnet zusammen.

Die geschlossene Veranstaltung am 4. Februar bot eine seltene Gelegenheit für einen offenen, vom Wettbewerb losgelösten Austausch über die drängendsten Herausforderungen und Chancen der Frischebranche.

Zu den Teilnehmern zählten Tom Mackintosh (Tesco), Maria Wieloch (ICA Gruppen), Stephan Weist (Rewe), Franka Rodriguez, Karina Drigota und Ceri Statham (Aldi Süd) sowie Liz van Niekerk und Anna Peppitt (Marks & Spencer). Moderiert wurde die Diskussion von Mike Knowles, Maura Maxwell und Chris White von Fruitnet.

Gruppenfoto von zehn professionell gekleideten Personen, die in einem modernen Innenraum mit großen Fenstern und markanten runden Deckenleuchten stehen.

Von links nach rechts: Chris White (Fruitnet), Maria Wieloch (ICA Gruppen), Liz van Niekerk (Marks & Spencer), Tom Mackintosh (Tesco), Franka Rodriguez (Aldi Süd), Maura Maxwell (Fruitnet), Stephan Weist (REWE), Ceri Statham (Aldi Süd), Mike Knowles (Fruitnet), Anna Peppitt (Marks & Spencer) und Karina Drigota (Aldi Süd) gemeinsam bei der Veranstaltung.

Im Rahmen einer intensiven Diskussion beleuchteten die Teilnehmer, wie technologische Innovationen, sich wandelnde Verbrauchererwartungen und strukturelle Herausforderungen entlang der Lieferkette die Branche neu formen. Dabei wurde deutlich, dass sich der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) in einem tiefgreifenden Transformationsprozess befindet – geprägt vom wachsenden Einsatz künstlicher Intelligenz ebenso wie von der Notwendigkeit robusterer und nachhaltigerer Liefermodelle.

Aus dem Austausch kristallisierten sich sechs zentrale strategische Handlungsfelder heraus:

1. KI wird das künftige Kaufverhalten maßgeblich prägen

Die Teilnehmer setzten sich intensiv mit den möglichen Auswirkungen künstlicher Intelligenz auf Kaufentscheidungen auseinander. Dabei wurde auch die Sorge geäußert, dass KI-gestützte Anwendungen Konsumenten Entscheidungen zunehmend abnehmen könnten. In der Folge könnten sich Wahlmöglichkeiten verengen, während Produkte stärker vergleichbar und austauschbar werden.

Gleichzeitig wurde betont, dass KI erhebliche Chancen bietet, um Einkaufserlebnisse gezielter zu gestalten und personalisierte Ernährungsansätze zu fördern. Dies könnte langfristig auch die Nachfrage nach frischen Produkten steigern.

2. Gesundheitstrends eröffnen erhebliche Wachstumspotenziale

Einigkeit bestand darin, dass frisches Obst und Gemüse hervorragend positioniert sind, um vom steigenden Verbraucherinteresse an Gesundheit und Wohlbefinden zu profitieren.

Die Erweiterung des Sortiments – etwa durch gezielte Nischenangebote – bietet klare Wachstumschancen, sofern Einzelhändler datenbasierte Ansätze nutzen, um Risiken zu steuern und flexibel auf Nachfrageentwicklungen zu reagieren.

3. Datengestützte Liefermodelle werden zum Erfolgsfaktor

Die Teilnehmer waren sich weitgehend einig, dass fundierte, datengestützte Beschaffungsmodelle künftig unverzichtbar sind. Vorhersehbarere Nachfragemuster und eine bessere Messbarkeit des Kaufverhaltens gelten als entscheidend, um Effizienz entlang der gesamten Lieferkette zu steigern.

Eine intelligentere Nutzung von Daten wird es ermöglichen, Angebot und Nachfrage präziser aufeinander abzustimmen und Volatilitäten zu reduzieren.

4. Die Rolle des Einkaufs wird technischer und strategischer

Die Funktion des Einkäufers entwickelt sich zunehmend hin zu einer technisch geprägten, stärker beschaffungsorientierten Rolle. Entsprechend gewinnt spezialisiertes Fachwissen – etwa in den Bereichen Produktentwicklung, Sortimentsgestaltung und Lieferkettenmanagement – an Bedeutung.

Dieser Wandel steht exemplarisch für den übergeordneten Trend hin zu einer stärker analytisch und strategisch ausgerichteten Entscheidungsfindung im Frischehandel.

5. Zusammenarbeit stärkt Resilienz und Nachhaltigkeit

Die Diskussion unterstrich die zentrale Bedeutung engerer Kooperationen innerhalb der Branche, um Herausforderungen rund um Lieferkettenstabilität und ökologische Nachhaltigkeit wirksam zu begegnen.

Künftig könnten Einzelhändler verstärkt zusammenarbeiten, um logistische Prozesse effizienter zu gestalten und eine verlässlichere Warenverfügbarkeit sicherzustellen.

6. Mehr Begeisterung am Point of Sale schaffen

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Notwendigkeit, das Einkaufserlebnis im Frischebereich gezielt aufzuwerten. Ein attraktiveres Sortiment, eine durchdachte Ladengestaltung und eine ansprechende Präsentation wurden als zentrale Hebel identifiziert, um Kunden zu gewinnen und langfristig zu binden.

Insbesondere Inspiration am Point of Sale wird als entscheidender Wachstumstreiber für die Kategorie gesehen.

Fazit: Vom Erkenntnisgewinn zur Umsetzung

Der Retail Round Table 2026 machte deutlich, dass sich die Branche nicht nur im Wandel befindet, sondern dass sich dieser Prozess zunehmend beschleunigt. Das Zusammenspiel aus künstlicher Intelligenz, datengestützter Entscheidungsfindung und engerer Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette verändert grundlegend, wie Frischeprodukte beschafft, vermarktet und verkauft werden.

Gleichzeitig stehen Einzelhändler vor der Herausforderung, Innovation und operative Umsetzung in Einklang zu bringen. Entscheidend wird sein, technologische Fortschritte in konkrete Verbesserungen bei Verfügbarkeit, Qualität und Kundenerlebnis zu übersetzen.

Erfolgreich werden jene Marktteilnehmer sein, die fundierte Erkenntnisse mit schneller Entscheidungsfähigkeit und starken Partnerschaften verbinden. Wie die Diskussion zeigte, ist das Potenzial enorm: Es geht nicht nur darum, auf die steigende Nachfrage nach gesünderen Produkten zu reagieren, sondern die Rolle von Frischeprodukten im modernen Einzelhandel aktiv neu zu definieren.

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