Veranstalter:
Website Messe Berlin
Datum der Veranstaltung:
4.-6. FEB 2026
FRUIT LOGISTICA
4.-6. FEB 2026
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Super Pflanze, schmeckt nur leider schrecklich

Mit Hilfe der CRISPR-Genschere will Biologe Dr. Pascal Hunziker bislang vernachlässigte Nutzpflanzen für eine nachhaltige Nahrungsmittelproduktion erschließen – und sie genießbar machen.

Dr. Pascal Hunziker steht auf einer Bühne und stellt seine Forschung vor.

Dr. Pascal Hunziker stellt seine Forschung zur CRISPR-Genschere an bislang vernachlässigten Nutzpflanzen wie Mashua vor

Tropaeolum tuberosum, oder auch Mashua, klingt wie das perfekte Superfood: Die aus den Anden stammende Knolle aus der Familie der Kapuzinerkresse ist nahrhafter als Kartoffeln, sehr ertragreich, resistent gegen Krankheiten, UV-tolerant, reich an Protein, Vitamin C und Antioxidantien und hat eine exzellente Aminosäurenzusammensetzung. In der traditionellen Medizin wird sie bereits seit langem verwendet. Allerdings hat sie auch das eine oder andere Manko, bislang.

Denn noch ist sie für den Anbau in Europa wenig ideal und geschmacklich im Grunde ungenießbar. Dr. Pascal Hunziker, Research Associate beim Centre for Organismal Studies (COS) an der Universität Heidelberg, will mit Hilfe moderner Pflanzenzüchtung beides ändern. Wie genau, das erklärte er am Mittwochvormittag auf der Future Lab-Stage der FRUIT LOGISTCA 2026 unter dem Titel: „Domestizierung auf Abruf: Mit CRISPR (Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats) werden vernachlässigte Nutzpflanzen für ein sich wandelndes Klima erschlossen“.

Für den Klimawandel gewappnet

Rund 12.000 Nutzpflanzenarten gibt es laut Hunziker weltweit, die zwar lokal angebaut und konsumiert werden, aber von der Forschung und dem globalen Markt bislang trotz ihres hohen Nährwerts und ihrer Klimaresilienz wenig beachtet werden. Mashua war eine davon. Bis jetzt. Mit seinem Team will der Biologe das ändern und anhand dieser Fallstudie auch allgemein die Genomtechnik vorantreiben, um neue Nutzpflanzen zu entwickeln und ihr Potenzial für die globale Ernährungssicherheit zu erschließen.

Dafür nutzt Hunziker DNA-freie CRISPR-Bearbeitung, auch Genschere genannt, ein molekularbiologisches Verfahren, um einen DNA-Strang an einer vorgegebenen Stelle zu durchschneiden und dort gezielt zu verändern. Anders als herkömmliche Techniken zur Domestizierung, die sehr lange dauern, ist diese Geneditierung schnell und präzise wie maßgeschneidert, fast ohne Mutationen. „So können die entscheidenden Merkmale innerhalb eines kurzen Entwicklungszyklus identifiziert und verbessert werden“, erklärte der Forscher. Ein Verfahren, wie es etwa bei wilden Tomaten bereits genutzt wurde.

Wie Wasabi, nur in Ungenießbar

Die Ziele der Geneditierung gehen in zwei Richtungen. Erstens: Bislang ist die Mashua-Pflanze für die Knollenbildung von kurzen Tagen abhängig, das heißt, in Europa wäre das erst im späten Oktober, was die Gefahr von Frostschäden erhöht. Die Pflanze soll also auch für einen Anbau jenseits der Anden kompatibel werden.

Zweitens: „Mashua hat leider einen wenig wünschenswerten, sehr seltsamen Geschmack. Sie ist sehr bitter und erinnert an Wasabi, allerdings ohne dessen gute Seiten“, so Hunziker. Auch wenn das CRISPR-Verfahren schnell und erfolgreich sei, bis bei uns Mashua-Knollen im Supermarkt liegen, sei es noch ein weiter Weg. „Der Markt müsste erst noch geschaffen werden“, sagte der Experte.

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